Vom 12. April bis zum 16. Mai 2026 verbrachte ich meine Schulzeit für fünf Wochen in Italien an einer katholischen Privatschule namens Barbara Melzi in Legnano anstatt am EKG in Jgst. elf.

Während dieser Zeit konnte ich viele Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten im Vergleich zu Deutschland erkennen und sammelte schöne Erinnerungen während meines von der EU geförderten Austauschs in einer italienischen Gastfamilie.

Schulsystem

An der katholischen Privatschule Barbara Melzi stellte ich beispielsweise viele Unterschiede zu unserem und deren Schulsystem fest.

Das Schulsystem ist so aufgebaut, dass die italienischen Schüler/-innen eine Grundschule besuchen, die bis zum elften Lebensjahr andauert. Danach wird die Mittelschule angetreten, welche mit zwölf Jahren begonnen wird und bei uns mit der fünften bis zur neunten Klasse verglichen werden kann. Zudem haben die Schüler/-innen in Italien kein Abitur, sondern besuchen eine Highschool mit fünf Klassen bzw. Schwerpunkten, wobei dies Ähnlichkeiten mit dem zehnten bis zum dreizehnten Jahr in Deutschland hat. Sie haben genauso das System des Gymnasiums und der Oberschule. Wir haben das Gymnasium besucht, was dort Liceo heißt.

Ein großer kultureller Unterschied ist auch, dass die Nonnen in der Schule anwesend sind und sogar unterrichten. Sie sitzen auf den Gängen der Schule  passen auf, dass nicht zu viele Schüler/-innen auf der Toilette sind oder jemand Unbefugtes da ist. Auch sie müssen einen Abschluss machen, um an allen Schulen (u.a. auch Grundschulen) unterrichten zu können.

Alle Schulen in Legnano, der Stadt, in der ich gelebt habe, haben einen bestimmten Themenbereich: Kunst, Technik/Informatik, Sprachen, Psychologie oder Recht. Meine Austauschschule befasste sich mit den Themenbereichen aus der Psychologie und Recht. An dieser hat beispielsweise meine Austauschschülerin Beatrice bis zur zweiten Klasse die Fächer Recht & Ökonomie und Psychologie, aber ab der dritten Klasse entscheidet man dann, ob man die Klasse der sozialen Ökonomie oder der menschlichen Wissenschaft besuchen möchte. In der Klasse der sozialen Ökonomie behält man dieselben Fächer wie davor, also Recht und Ökonomie und Psychologie, aber in der Klasse der menschlichen Wissenschaft lernt man Anthropologie, Physiologie und Soziologie zusätzlich zu Psychologie und Recht und Ökonomie wird nicht mehr unterrichtet.

Obwohl die Schule einst ein Haus für Nonnen war und nun eine katholische Schule ist, hat die Schule trotzdem Whiteboards und die Schüler-/innen benutzten iPads oder schreiben auf Papier, wie es ihnen lieber ist. Eine Lehrerin, welche ich interviewt habe, Profe Zanaboni, ist eine Richterin und unterrichtet das Fach Recht und Ökonomie. Sie ist der Meinung, dass man  Recht und Ökonomie unterrichten sollte, da man die Kinder darauf aufmerksam macht, welche Konsequenzen ihre Handlungen haben und zu welche sozialen Probleme diese führen können.

Der Unterricht geht jeden Tag bis 13:35 Uhr, die unteren Klassen, also Klasse 1 bis 2 auf der Highschool, haben jedoch zweimal die Woche nur bis 12:40 Uhr. Eine Unterrichtsstunde geht jeweils 50 Minuten. Auch die Arbeiten, die an der Schule geschrieben werden, werden lediglich über 50 Minuten geschrieben. Mündliche Prüfungen hingegen nehmen längere Zeit ein als unsere, welche in Deutschland 15-20 Minuten dauern, aber in Italien eher 45-50 Minuten. Dabei sprechen die italienischen Schüler-/innen über ein bestimmtes Thema, welches sie vorher im Unterricht besprochen haben. Dieses Thema ist dann das einzige, worüber gesprochen wird, was anders zu unserer Struktur von einem Monolog, einer Bildbeschreibung und einem Dialog ist. Die Sprechprüfungen finden genauso wie bei uns mit zwei Lehrkräften statt, aber auch in einem normalen Klassenraum mit allen Schüler/ innen und nicht in einem separaten Raum. Im Vergleich zu unserer Schule, den 90 Minuten pro Doppelstunde und den Arbeiten, die genauso lange dauern als auch die 7./8. Stunde wäre es mir lieber, jeden Tag bis 13:35 Uhr Unterricht zu haben anstatt 13:15 Uhr oder 15:30 Uhr.

Die Unterrichtsgestaltung gefällt mir an meiner Schule mehr als an der katholischen Schule, denn während wir in Deutschland Partnerarbeiten, Gruppenarbeiten und mündliche Noten haben, werden in Italien kaum Gruppenarbeiten gemacht und die mündliche Mitarbeit wird nicht bewertet, da in den Unterrichtsstunden nur die Lehrkraft spricht und die Schüler-/innen sich Notizen machen. Somit ist der Unterricht eher wie eine Vorlesung aufgebaut. Dies kann trotzdem zu Vorteilen führen, denn dadurch lernen die Schüler-/innen, sich Notizen zu machen und sie passend aufzuschreiben, sodass sie diese zum Lernen für Arbeiten benötigen können. Außerdem werden Fragen der Schüler-/innen meist einfach in den Unterricht gerufen, anstatt sich zu melden und die Lehrkraft dann so zu fragen. Der Englischunterricht ist so gestaltet, dass man verschiedene Stunden pro Woche hat: English und English Mothertongue. Beim „normalen“ Englischunterricht sind die Themen Grammatik und Themen aus dem Textbuch, wohingegen sie sich bei English Mothertongue mit englischer Literatur befassen. Ein Schüler sagte dazu, dass die Schüller/-innen seiner Meinung nach genug Englischunterricht haben, wobei ich der Meinung bin, dass der Unterricht eventuell etwas mehr auf das Sprechen fokussiert sein sollte, sodass man die Sprachkenntnisse der Schüler/-innen mehr stärkt und sie somit im Alltag sowie mit Austauschpartner-/innen problemlos kommunizieren können.

Um in der Schule etwas zu essen, gibt es zwei Snackautomaten und Kaffeeautomaten in jedem Gang, sodass sich die Kinder dort etwas zu essen holen können. Dies ist im Vergleich zu Deutschland oder unserer Schule wie unser Bistro, wobei die Preise für einen Kaffee oder etwas zu essen in Italien wesentlich günstiger sind.

Essen und Kultur

Was das Essen angeht, gab es natürlich sehr viele Unterschiede zwischen italienischem und deutschem Essen. Da ich zweisprachig aufgewachsen bin, gibt es bei mir ähnliche Essgewohnheiten wie in Italien. Beispielsweise gibt es jeden Tag zwei warme Mahlzeiten, wobei ich bei meisten deutschen Haushalten daran gewöhnt bin, abends meist Abendbrot zu essen. Etwas, woran ich weniger gewöhnt war, war, dass die Italiener-/innen meist nichts zum Frühstück essen, sondern nur Kaffee mit Keksen als Beilage trinken, wobei ich persönlich Frühstück als die wichtigste Mahlzeit des Tages sehe. Typisches Essen in Italien sind natürlich Pasta, Pizza, aber auch viel Essen mit Käse oder Bohnen, was ich zum Beispiel auch in Rom gegessen habe, als ich mit meiner Austauschschülerin ihre Familie in der Hauptstadt Italiens besuchen war. Die Pasta, die ich meist gegessen habe, gab es so gar nicht in Deutschland, da es meist komplett andere Formen waren. Die Pizza hatte meist eine Tomatensoße, welche sehr nach frischen Tomaten geschmeckt hat und meiner Meinung nach den Geschmack der Pizza um einiges verbessert hat, weshalb ich etwas von der Tomatensoße mit nach Hause genommen habe. Etwas ganz Neues habe ich auch probiert, zum Beispiel Pasta in frittierten Bällen, was sich zwar in meinen Augen etwas suspekt angehört hat, aber im Nachhinein sehr gut geschmeckt hat. Natürlich gab es auch Essen, welches es auch Deutschland gibt, wie zum Beispiel Döner oder Bubble tea (obwohl dies auch eher international ist).

Auch Läden aus Deutschland wie Deichmann, Bershka und H&M sind Italien allgegenwärtig. Hannah, eine weitere Austauschschülerin unserer Schule und ebenfalls Gastschülerin in Legnano, und ich waren auch viel in verschiedenen Städten unterwegs, wohin wir mit Zügen gefahren sind. Das Zugsystem ist ungefähr so ähnlich gestaltet wie in Deutschland, nur dass sie etwas öfter ausfallen als in Deutschland und es daraufhin für uns schwierig war, herauszufinden, welchen Zug wir mit unserem Ticket nehmen konnten. Etwas, was ich auch herausgefunden habe, war, dass man auf Autobahnen zahlen muss, um sie benutzen zu können. Dies haben wir in Deutschland in der Form nicht, weshalb ich, als ich es das erste Mal gesehen habe, etwas verwirrt war.

Da es in meiner Stadt, Legnano, eine Vergangenheit mit dem König der Deutschen, Federico dem Zweite gibt, ist Legnano in acht Stadtviertel geteilt. In jedem Viertel hängen Flaggen, um das jeweilige Viertel erkennbar zu machen. Diese Teilung war ein Resultat des Kriegs gegen Federico den Zweiten, wobei Legnano gewann.

Sprache und Entwicklung der Persönlichkeit

Ob bei Beatrice zuhause, bei ihrer Familie in Rom oder bei Ausflügen zu den verschiedenen Städten rund um Mailand herum habe ich sehr viel Italienisch gelernt und gesprochen. Sie haben mir alle viel beigebracht, was mir immer noch im Kopf geblieben ist, wobei ich auch Beatrices Familie und den anderen Italienern sehr dankbar bin. Ich habe selbst auch gemerkt, besser mit stressigen Situationen umzugehen. Die verantwortliche Lehrkraft war für uns nicht immer ansprechbar und das Programm zu Beginn des Austauschs war etwas unstrukturiert. Deshalb habe ich gelernt, etwas entspannter zu sein und mich nicht zu sehr stressen zu lassen, auch wenn nicht alles so funktioniert, wie es hätte funktionieren sollen. Außerdem habe ich gelernt, das hier und jetzt zu genießen, denn sobald der Austausch sich dem Ende geneigt hat, habe ich gemerkt, wie sehr ich es eigentlich genießen sollte, diesen Moment zu leben und dankbar für die Kleinigkeiten zu sein, wie zum Beispiel das Essen, die Menschen um mich herum, die neuen Freundschaften, die ich geknüpft habe, oder sogar das späte Aufstehen, da ich jeden Morgen zu Fuß zur Schule laufen konnte.

Fazit

Im Nachhinein bin ich unglaublich dankbar und froh darüber, diese Erfahrung in einem anderen Land und einer anderen Familie machen zu dürfen. Ich habe viel über andere Kulturen und Traditionen erfahren, aber auch viel über mich selbst und Deutschland lernen können, was mir ohne den Vergleich mit Italien nie aufgefallen wäre.

Meine Gastfamilie und Freunde, die ich dort gemacht habe, haben dafür gesorgt, dass ich einen guten Austausch hatte, und das ist für mich das, was zählt. Für zukünftige Austauschprojekte würde ich mir wünschen, dass es einen regelmäßigeren Austausch zwischen den Austauschschüler-/innen und der betreuenden Lehrkraft gibt, um Ausflüge besser zu koordinieren.

Zukünftigen Austauschschüler/-innen würde ich empfehlen, sich einfach an die Gastfamilien zu halten und sich dort wie zu Hause zu fühlen. Setzt euch einfach schon einmal mit dem Land und den Leuten auseinander, was man dort gerne machen würde, damit man dies gut mit seiner Gastfamilie absprechen kann und falls nicht alles möglich ist, nicht den Kopf zerbrechen: einfach den Aufenthalt genießen und entspannt bleiben!