Stanford Professor ruft zu Europaskepsis auf

Viele Bürger hadern mit der EU, was insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Großbritannien sichtbar wird. Und ausgerechnet jetzt ruft der Politikwissenschaftler Dr. Uli Brückner auch noch zur Europaskepsis auf. Um das zu verstehen muss man Brückners Definition des Begriffes Skepsis betrachten, die er am Donnerstagabend im Rahmen der Veranstaltung „Europaskepsis – Ursachen und Perspektiven“ am EKG darlegte. Dabei handle es sich eben nicht um eine „ketzerische“ Auseinandersetzung mit der EU, sondern um ein wissenschaftliches Prüfverfahren, bei welchem es gilt, Aussagen hinsichtlich ihrer Logik und widerspruchsfreien Argumentation zu überprüfen und mit empirischen Fakten abzugleichen. Skepsis soll laut Brückner als eine aufklärerische Aufgabe verstanden werden. Dieser Skeptizismus müsse vor allem im Zusammenhang mit den Medien betrachtet werden, denn diese würden die EU oftmals als zu langsam oder auch zu ineffizient darstellen. Medien, die es lieben würden zu skandalieren, die sich nur einzelner Häppchen bedienen würden, um die eigenen Kassen zu füllen. Die es sich aber nicht zur Aufgabe machen würden, über die Gesamtzusammenhänge aufzuklären. Und genau darin liege laut Brückner das Problem: So werde sich schnell lustig darüber gemacht, dass die EU nur noch gerade anstatt krumme Gurken auf dem Markt zuließe, der Gesamtzusammenhang werde aber nicht mehr betrachtet − dass nämlich gerade Gurken weniger Transportkosten verursachen würden, da sie platzsparender verpackt werden könnten und ein standardisiertes Industrieprodukt eine genauere Kalkulation für die Speditionswirtschaft ermögliche.

Hinsichtlich der Veranstaltungsthematik sei es nicht nur richtig zum Skeptizismus aufzurufen, sondern auch notwendig zu definieren, was unter dem Begriff Europa zu verstehen ist. Brückner betont, dass nach seiner Auffassung Europa als großes Kompromissfindungsprojekt zu verstehen ist. Die Idee liege darin, den gefährlichen Nationalismus durch eine supranationale Ebene zu ersetzen, welche koordiniere, was gut für das Ganze sei. Das Ziel sei es, durch Interdependenzen eine so starke Verflechtung zu erreichen, dass man ohne einander nicht mehr auskommen könne. Brückner beendete seinen Vortrag mit dem Aufruf, dass eben der Skeptizismus eines Jeden helfe, diese Prozesse effizienter und demokratischer zu gestalten.